Besichtigung Fischereizentrum Bodensee, steinach, vom 20. September 2018

Die Sektion Ostschweiz des SFV und VSMK haben mit knapp 30 Teilnehmern das Fischereizentrum Bodensee in Steinach besichtigt. Dabei hat uns der Betriebsleiter, Jörg Schweizer, sehr kompetent mittels verschiedenen Bildern über die Aufgaben und die Organisation des Fischereizentrums Bodensee informiert und danach konnten wir die Anlagen mit den Fischbeständen besichtigen.

 

Die Fischerei im Bodensee-Obersee (473 km2) wird von den Vertragsstaaten der Bregenzer Übereinkunft von 1893 in internationaler Zusammenarbeit geregelt und gefördert. Dadurch sind einheitliche Regelungen sowohl für die etwa 90 Berufsfischer als auch für die ca. 12‘000 Angelfischer am See gewährleistet. Die für die Berufs- und Angelfischer wichtigsten Fischarten sind Felchen, Barsch (Kretzer oder Egli), Seeforelle, Seesaibling, Zander, Aal, Hecht, Rotauge, Brachse und Karpfen.

m Bodensee leben rund 35 Fischarten, von denen sich die meisten von Frühling bis Herbst eines Jahres in Ufernähe aufhalten. Dagegen besiedeln Felchen, Seesaiblinge und Seeforellen vorwiegend den Freiwasserraum. Einige Kleinfischarten, wie z.B. die Groppe, haben sich infolge von Gewässerschutzmassnahmen wieder stärker im See ausgebreitet. Die Seeforelle ist ein grosswüchsiger Raubfisch, der zum Laichen in die Zuflüsse zieht.

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit eines Fischereizentrums ist die Erbrütung und Aufzucht von Fischen für den Besatz des Bodensee-Obersees. Hierbei arbeiten die insgesamt fünf Brutanstalten am Obersee eng zusammen. Neben der Fischerbrütung und Aufzucht nimmt das Fischereizentrum Steinach wichtige Aufgaben für die Arbeit in internationalen Gremien zur Regelung der Bodenseefischerei wahr. Hierzu werden unter anderem Versuchsfischereien zur Beurteilung der Entwicklung der Felchenbestände durchgeführt. Auch beim Schutz der Seeforelle ist der Kanton St. Gallen mit den überregional wichtigen Laichgewässern Steinach und Goldach in besonderer Verantwortung.

In Steinach werden neben Bach- und Seeforellen, Nasen und Seesaiblingen hauptsächlich die Eier von Felchen und Äschen erbrütet. Die etwa 1.5 mm grossen Felcheneier werden aus Rogenern (weibliche Fische) abgestreift und mit dem Sperma der Milchener (männliche Fische) befruchtet. Danach werden die Eier in sog. Zugergläsern erbrütet, die von sauerstoffreichem, ein Grad kaltem Wasser durchströmt werden. Der Laich wird im Rahmen eines Laichfischfangs durch die Berufsfischer in der Zeit von Anfang bis Mitte Dezember gewonnen. Die Entwicklung der Felcheneier dauert etwa drei Monate von Mitte Dezember bis Mitte März. Die Erbrütung der rund 5 mm grossen Seeforellen- und Seesaiblingseier erfolgt in sog. Unterstromapparaten, in denen die Dottersackbrut nach etwa zwei Monaten schlüpft.

Die frisch geschlüpfte Felchenbrut weist eine Länge von 10 – 12 mm auf und ihr Körper ist bis auf die Augen weitgehend durchsichtig. Bereits wenige Tage nach dem Schlupf werden sie in den Bodensee entlassen. Die Jungfische von Seeforelle und Seesaibling werden in speziellen Rundbecken aufgezogen und nach einigen Wochen in ihre Herkunftsgewässer eingesetzt. Auf Grund der unsicheren Verfügbarkeit von Laich von Wildfischen werden in grösseren Becken Bachforellen- und Äschen-Elterntiere aus der Thur sowie manchmal auch Seeforellen gehalten.

Die sehr interessante Führung haben wir – wie könnte es anders sein – in der Osci’s Fischbeiz in Steinach ausklingen lassen. Zusammen mit dem Betriebsleiter des Fischereizentrums Steinach haben wir dort gemischte Fischknusperli genossen und den gemütlichen und geselligen Abend ausklingen lassen.

Ganz herzlichen Dank nochmals an Jörg Schweizer für die sehr spannende Führung und den Mitgliedern des SFV und VSMK, Sektionen Ostschweiz, für das zahlreiche Erscheinen.